Temporomandibuläre Dysfunktion: Symptome, Ursachen und Behandlungen

Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) ist ein Zungenbrecher und befindet sich ironischerweise direkt in der Nähe des Mundes! Dieses spezielle Gelenk liegt bei jedem Menschen am Kieferknochen und verbindet diesen mit dem Schädel an beiden Seiten des Kiefers. Bei Menschen, die an Kiefergelenkserkrankungen (TMD) leiden, verursachen diese Gelenke Schmerzen auf beiden Seiten des Mundes, die normalerweise auf Genetik, Arthritis oder eine Kieferverletzung zurückzuführen sind, sagt die Mayo Clinic.

Eigentlich hört man nicht allzu oft von Kiefergelenkserkrankungen, doch sie kommen tatsächlich ziemlich häufig vor. Insbesondere bei Menschen, die dazu neigen mit den Zähnen zu knirschen oder diese zusammenzupressen. Hier ist ein Überblick, was du über Erkrankungen des Kiefergelenks wissen musst…

1. Was ist das überhaupt?

Wie bereits erwähnt, befindet sich das Temporomandibulargelenk (Kiefergelenk) jeweils an den beiden Seite des Kiefers. Die Mayo Clinic beschreibt es als „gleitendes Scharnier, das deinen Kieferknochen mit deinem Schädel verbindet“. Laut der Canadian Dental Association gilt das Kiefergelenk als eines der komplexesten Gelenke des Körpers. Es bewegt sich nicht nur vorwärts und rückwärts, sondern kann sich auch drehen und von Seite zu Seite bewegen. Mit ein wenig Hilfe einiger anderer Muskeln und Bänder können wir auch kauen, sprechen, gähnen und schlucken. Von einer TMD (Kiefergelenksstörung) spricht man, wenn jemand unter Schmerzen im Kiefergelenk und den Muskeln, die beim Öffnen und Schließen des Kiefers oder bei anderen Kieferbewegungen helfen, leidet.

Du kannst dein Kiefergelenk selbst ertasten, indem du zwei Finger direkt vor deine Ohren auf deine Wange legst und du deinen Mund anschließend öffnest und schließt. Nun solltest du ein stumpfes Gelenk fühlen, das sich beim Öffnen und Schießen des Mundes bewegt. „Was du spürst, sind die abgerundeten Enden des Unterkiefers, wenn sie entlang der Gelenkpfanne des Schläfenbeins gleiten, das ist der Teil des Schädels, der das Innenohr und die Schläfe enthält“, schreibt Kids Health.

2. Die häufigsten Symptome

Das häufigste Symptom einer Temporomandibuläre Dysfunktion sind Schmerzen im Kopf, Nacken und natürlich im Kiefer. Menschen mit einer solchen Kiefergelenkserkrankung verspüren diese Schmerzen und Empfindlichkeit am Gelenk und am Kiefer, sowie um die Ohren. WebMD weist darauf hin, dass diese Beschwerden vorübergehend sein können oder sogar Jahre andauern können, das hängt von der Person und dem Ausmaß ihrer Störung ab. Es kann entweder nur eine Seite oder sogar beide Seiten betreffen. Jedoch erschwert es das Kauen von Nahrung deutlich und kann in einigen Fällen auch zu einer Kiefersperre führen, die es sogar schwierig macht, den Kiefer überhaupt zu öffnen oder zu schließen. Weitere Symptome können Schwellungen im Gesicht, ein „Müdigkeitsgefühl“ im Gesicht oder eine plötzliche Verschiebung des Bisses, bei der Ober- und Unterkiefer nicht mehr richtig ausgerichtet sind und dadurch nicht mehr richtig aufeinanderpassen, was das Schließen des Mundes äußerst unangenehm macht, sein. „Du kannst auch Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schwindel, Ohrenschmerzen, Hörprobleme, Schmerzen in der oberen Schulter und Ohrensausen (Tinnitus) haben“, schreibt WebMD dazu.

Die Mayo Clinic macht außerdem darauf aufmerksam, dass Kiefergelenksstörungen auch „ein Klickgeräusch oder ein kratzendes Gefühl“ beim Öffnen und Schließen des Kiefers verursachen können. Doch selbst wenn du einer dieser Menschen bist, die beim Kauen ein Klickgeräusch haben, musst du nicht in Panik verfallen, denn viele Menschen haben dies auch ohne Kiefergelenksstörung.

3. Ursachen

Es ist größtenteils unklar, was genau TMD verursacht. Während sie einerseits durch wiederholtes Zähneknirschen oder Kieferpressen verursacht werden kann, wird sie andererseits auch oft einer Verletzung des Kiefers, des Gelenks oder der Kopf- und Nackenmuskulatur zugeschrieben. Eine Person, die beispielsweise einen massiven Schlag auf den Kopf oder ein Schleudertrauma erlitten hat, kann als Folge eine Kiefergelenksstörung entwickeln. Als weitere Ursachen führt WebMD außerdem „Bewegungsspielraum der Bandscheibe zwischen Gelenkkugel und Gelenkpfanne, Arthritis im Gelenk“ und Stress, der von einer Anspannung der Gesichts- und Kiefermuskeln bis zum Zähneknirschen reicht, auf.

Medical News Today macht darauf aufmerksam, dass auch ein gewisser Lebensstil TMD verursachen kann, wie zum Beispiel bei Menschen, die Instrumente spielen. Laut der Quelle haben Leute, die Geige spielen, ein höheres Risiko eine Kiefergelenksstörung zu entwickeln, weil sie ihr Instrument unter dem Kiefer halten und während des Spielens meist ziemlich starr und angespannt sind, was Stress und Belastung verursacht.

4. Prävention

Viele Menschen, sogar Kinder, knirschen ständig mit den Zähnen oder beißen unbewusst den Kiefer stark zusammen. Allerdings entwickelt dabei nicht jeder eine Kiefergelenksstörung. Für diejenigen, die dies tun, gibt es einige Möglichkeiten das zu verhindern.

Kid’s Health erklärt, dass sich Kinder durchaus bewusst werden könnten, wenn sie eine solche Verhaltensweise in bestimmten Momenten, wie Stress beim Schreiben eines Tests oder wenn sie wütend sind, an den Tag legen. Wenn Kinder, aber natürlich auch Erwachsene, erkennen können, wann es passiert, können sie ihr Verhalten bewusster stoppen und Strategien entwickeln, besser mit ihrem Stress umgehen zu können. Sie könnten anfangen, sich mehr zu bewegen oder neue Atemtechniken anzuwenden. Um weitere Ideen zu erhalten, ist ein Gespräch mit einem Zahnarzt hilfreich.

5. Wie man mit dem Schmerz umgeht

Es überrascht nicht, dass die mit einer Kiefergelenksstörung verbundenen Schmerzen ziemlich unangenehm und einfach nur eine Plage sein können. Die Canadian Chiropractic Association bietet einige Ratschläge, wie man die Schmerzen behandeln oder sogar loswerden kann. Zunächst solltest du weichere Lebensmittel essen, denn durch das Öffnen und Schließen des Mundes wird der Kiefer gereizt. Außerdem könntest du auch versuchen, „Eispackungen aufzulegen, extreme Kieferbewegungen zu vermeiden, Techniken zur Entspannung und zum Stressabbau zu lernen und sanftes Dehnen des Kiefers zu üben, um die Bewegung zu erhöhen“, schreibt die Quelle. Auch auf Kaugummikauen, Fingernägelkauen oder Wangenkauen solltest du verzichten.

Die Canadian Chiropractic Association schlägt die intraorale myofasziale Entspannung vor, eine Technik, die von einigen medizinischen Fachkräften wie Chiropraktikern verwendet wird, um Muskeln um das Gelenk herum zu lockern. Darüber hinaus gibt es auch Wirbelsäulen-Manipulationstherapie, Weichteilmassage und ein paar Übungen (auf die wir im Folgenden eingehen werden), die helfen können, einen Teil der Schmerzen zu lindern.

6. Übungen zur Schmerzbewältigung

Die mit Kiefergelenkserkrankungen verbundenen Schmerzen können ziemlich unangenehm sein, da die umliegende Muskulatur ständig beansprucht wird. Während ein Mundschutz eine übliche Behandlungsmethode für Menschen mit TMD ist, zitiert Healthline eine Studie aus dem Jahr 2010, die im Journal of Dental Research veröffentlicht wurde und herausfand, dass Übungen dazu beitragen können, den Bewegungsumfang bei Menschen mit Bandscheibenvorfällen mehr zu erhöhen als ein Mundschutz.

Die American Academy of Family Physicians (AAFP) und das Royal Surrey County Krankenhaus bieten einige einfache Übungen an, um die Schmerzen im Zusammenhang mit einer Kiefergelenkserkrankung zu lindern und die Bewegung im Kiefer zu erhöhen. Die aufgelisteten Übungen heißen „Mundöffnung mit Widerstand, Mundschließung mit Widerstand, Zunge nach oben, Kiefer von einer Seite zur anderen“ und „Kieferbewegung nach vorne“. Laut Quelle sollte keine dieser Übungen schmerzhaft sein und falls doch, solltest du einen Arzt konsultieren bevor du sie fortsetzt.

7. Wann man einen Arzt aufsuchen sollte

Eine TMD kann leicht behandelt werden und erfordert nicht wirklich viel medizinische Hilfe. Die Mayo Clinic empfiehlt jedoch jedem mit anhaltenden Schmerzen oder jedem, der Schwierigkeiten hat, seinen Kiefer zu öffnen und zu schließen, einen Arzt, Zahnarzt oder Kiefergelenk-Spezialisten aufzusuchen. Diese medizinischen Fachkräfte helfen dabei herauszufinden, was das Problem verursacht und ob es mögliche Behandlungen gibt.

8. Allgemeine Risikofaktoren

Wir haben bereits einige der möglichen Ursachen für TMD besprochen, aber gibt es Risikofaktoren? Aus welchen Gründen auch immer betrifft es anfangs mehr Frauen als Männer und ist vorallem bei Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren häufig verbreitet. Die Mayo Clinic listet ergänzend noch einige andere Risikofaktoren, wie verschiedene Arten von Arthritis, rheumatoide Arthritis und Osteoarthritis, auf. Wer bereits an einer dieser Formen der Arthritis leidet, könnte mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Kiefergelenkserkrankung entwickeln.

Außerdem auch jeder, der eine Kieferverletzung erlitten hat, bekannt für chronisches Zähneknirschen ist oder jemand, der häufig seinen Kiefer zusammenpresst, zählt zu dieser Liste. Letztendlich auch „bestimmte Bindegewebserkrankungen, die Probleme verursachen, die das Kiefergelenk betreffen können“, schreibt die Mayo Clinic.

9. Behandlungen für zu Hause

Die Behandlungsmöglichkeiten für zu Hause ähneln denen, die wir weiter oben in diesem Artikel als Teil der Schmerzbehandlung besprochen haben. TMD kann nicht wirklich geheilt werden, doch du kannst die Schmerzen mildern. Viele dieser schmerzlindernden Techniken können zu Hause durchgeführt werden, was es deutlich einfacher macht. Viele Menschen greifen auf rezeptfreie Medikamente wie nichtsteroidale, entzündungshemmende Medikamente zurück, um Muskelschmerzen und Schwellungen zu reduzieren. Du kannst auch versuchen, einen heißen oder kalten Umschlag für etwa zehn Minuten auf die Seite des Gesichts zu legen. Falls dir dein Zahnarzt Kieferdehnungen empfohlen hat, solltest du diese nach dem Auftragen einer Kompresse durchführen. Trage anschließend ein warmes Handtuch oder einen Waschlappen auf die Seite des Gesichts auf und wiederhole den Vorgang einige Male im Laufe des Tages.

Bezüglich der Ernährung ist es relativ einfach, zähes oder knuspriges Essen gegen etwas weicheres auszutauschen. WebMD bezeichnet Lebensmittel wie „Joghurt, Kartoffelpüree, Hüttenkäse, Suppe, Rührei, Fisch, gekochtes Obst und Gemüse, Bohnen oder Getreide“ als gute Lebensmittel. Du kannst dein Essen aber auch einfach in kleinere Stücke schneiden, damit es weniger gekaut werden muss. Dieselbe Quelle weist außerdem darauf hin, das Kinn nicht auf die Hand zu legen und gähnen, schreien und singen zu vermeiden, eben alles, was erfordert, dass sich der Mund weiter öffnet als nötig. Achte während Entspannungs- und Ruhephasen darauf, den Kiefer leicht geöffnet zu halten, um ein Zusammenpressen zu vermeiden. Für gute Entspannungstipps oder Übungen, um Stress abzubauen, kannst du auch jederzeit deinen Zahnarzt fragen.

10. Traditionelle Behandlungen

Für all diejenigen, die etwas mehr als das durchschnittliche Hausmittel brauchen, um ihre Kiefergelenkserkrankung zu beheben, gibt es auch mehrere traditionelle Behandlungen. Zu Beginn einer TMD gibt man Medikamente wie NSAIDs, die helfen Schmerzen und Schwellungen zu behandeln. Für jemanden, der seinen Kiefer zusammenpresst und mit den Zähnen knirscht, könnte ein Muskelrelaxans verschrieben werden, um Stress abzubauen.

Es gibt auch einen sogenannten Nachtwächter (Mundschutz) oder eine Schiene, die über den Zähnen liegt, um ein Zusammenknirschen zu vermeiden. „Sie verringern die Zahnabreibung beim Zusammenpressen oder Knirschen der Zähne und korrigieren deinen Biss, indem sie deine Zähne in eine korrekte Position bringen“, schreibt WebMD. Der einzig wirkliche Unterschied zwischen einem Nachtwächter und einer Schiene besteht darin, dass einer die ganze Zeit und der andere nur nachts getragen wird. Letztendlich, sagt WebMD, könnte ein Zahnarzt durch einige Korrekturen die Schmerzen lindern, indem er fehlende Zähne ersetzt oder Kronen, Brücken oder Zahnspangen verwendet, um ein Bissproblem zu korrigieren.

11. Weitere Behandlungen

Wenn keine der oben genannten Behandlungen zu wirken scheint, kann ein Arzt eine der folgenden Maßnahmen vorschlagen. An erster Stelle steht die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Dies ist eine Therapie, bei der schwache elektrische Ströme verwendet werden, um den Kiefer zu entspannen und Schmerzen zu lindern. Diese Behandlung kann problemlos in einer Arztpraxis oder sogar zu Hause angeboten werden. WebMD nennt zusätzlich auch Ultraschall, der durch Tiefenwärme im Gelenk die Schmerzen lindert und die Beweglichkeit verbessert, sowie Triggerpunkt-Injektionen. Dabei handelt es sich im Grunde um Schmerzmittel, die in den betroffenen Bereich oder „Triggerpunkte“ injiziert werden, um Linderung zu verschaffen. Schließlich gibt es noch die Radiowellentherapie, bei der die Durchblutung gesteigert und Schmerzen gelindert werden, sowie die Low-Level-Lasertherapie.

12. OP

WebMD weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Operation der letzte Ausweg für Patienten mit einer Kiefergelenkserkrankung sein sollte, da sie nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, wenn sie einmal abgeschlossen ist. Falls dein Zahnarzt also eine Operation empfiehlt, hole dir unbedingt ein paar andere Meinungen ein – nur für den Fall!

Es gibt drei verschiedene Arten von Operationen, die für Erkrankungen des Kiefergelenks (TMD) durchführbar sind. Zuerst wäre da die Arthrozentese. WebMD beschreibt dies als die geringfügigste aller Operationen auf dieser Liste und sie kann von einem Zahnarzt durchgeführt werden. Diese Operation eignet sich für Menschen, die keine Kiefergelenksvorgeschichte haben, aber an einem blockierten Kiefer leiden. Das Verfahren besteht im Wesentlichen darin, dass ein Zahnarzt Nadeln in das Gelenk einführt und es auswäscht. Anschließend wird ein Werkzeug verwenden, um beschädigtes Gewebe loszuwerden oder um die Bandscheibe zu entfernen, die möglicherweise im Gelenk steckt, was den blockierten Kiefer verursacht.

Die zweite chirurgische Option wird als Arthroskopie bezeichnet, dabei sieht der Arzt mit einem Arthroskop in das Gelenk. Nach einer Vollnarkose „macht der Arzt einen kleinen Schnitt vor deinem Ohr und führt das Werkzeug ein. Dieses wird an einen Videobildschirm angeschlossen, damit er dein Gelenk und den Bereich um es herum untersuchen kann. Er kann entzündetes Gewebe entfernen oder die Bandscheibe oder das Gelenk neu ausrichten.“ Obwohl diese Operation als minimal-invasiv angesehen wird, hinterlässt sie eine kleine Narbe.

Die letzte Option ist die Operation am offenen Gelenk. Sie kommt nur für Menschen in Frage, deren Kiefergelenk abgenutzt ist, Tumore im Gelenk haben oder vernarbt und voller Knochensplitter sind. Diese Operation ist, laut WebMD, sehr invasiv mit einem hohen Risiko für Narbenbildung und Nervenschäden.

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